Rückblick auf den Bonner Künstlerfreund Bernd Hagemann
von Andus Emge, August 2025

Es gibt Menschen, die hinterlassen nicht nur Werke, sondern auch bleibende Spuren im Leben ihrer Freunde.
Der Bonner Künstler Bernd Hagemann war für mich ein solcher Mensch. Seine Atelierwohnung in der Rittershausstraße 19, seine unermüdliche Suche nach Ausdrucksformen, seine feine Ironie und die stillen, oft spirituellen Tiefen seiner Arbeiten – all das hat mein Bild von Kunst und Freundschaft geprägt.
Mit diesem Rückblick möchte ich einen sehr persönlichen Einblick in seine künstlerischen Stationen geben und zugleich einen Menschen würdigen, der die Bonner Kunstszene über Jahrzehnte hinweg bereichert hat.
Erste Schritte
Bereits 1972 – mit siebzehn Jahren – stellte Bernd Hagemann erste Arbeiten in einer Gemeinschaftsausstellung des Oberkasseler Kalkuhl-Gymnasiums mit Inge Jung und Ernst Martin-Heel aus. Der Bonner General-Anzeiger schrieb damals über seine frühen Grafiken:
„Er zeigt Grafiken von meist skizzenhaftem Charakter, die wie Einfälle des Augenblicks anmuten, manchmal ironisch eingesetzte konstruktive Elemente aufweisen.“
Malerei und Zeichnungen
Sein künstlerischer Stil wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte, auch in den verwendeten Techniken. Besonders prägend waren seine Arbeiten in den 1980er und 1990er Jahren: fein abgestimmte Aquarelltöne, minimalistisch-symbolische Bildsprache und grazile Zeichnungen, die beinahe in eine andere Dimension zu schweben schienen. Ethnische Motive fanden hier ebenso ihren Platz – Jurten, Schamanen, Symbole altbabylonischer Tempel oder das „allüberwachende Auge“, das sich in vielen seiner Bilder wiederholt.
Neue Wege
2004 würdigte der General-Anzeiger anlässlich einer Ausstellung in der Bonner Brotfabrik die Weiterentwicklung seines Stils. Designer und Freund Harald Kutzke wurde mit den Worten zitiert:
„Die seit Mai geschaffenen Werke sind ein neuer Stil für Hagemann, eine neue Ästhetik. Das Kubistische erinnert ein wenig an Klee. Die Bilder strahlen eine meditative Ruhe und Weite aus.“
Späte Jahre
In den späteren Jahren widmete sich Bernd Hagemann verstärkt der Collage. Viele dieser Arbeiten sind kleinformatig, manchmal durch feine Lichtpunkte mit Lämpchen oder Phosphorfarbe ergänzt. Mit ironischen oder poetisch aufgeladenen Textfragmenten verband er die Elemente zu Werken, die trotz ihrer Leichtigkeit stets eine tiefe Bedeutung trugen.
Bernd Hagemann schuf im Laufe seines Lebens ein außergewöhnlich vielseitiges Werk. Eine besondere Phase begann, als er skulpturale Objekte mit Teilen seines alten Märklin-Baukastens aus Kindheitstagen entwickelte. Mit Trägern, Schrauben und feinen Verbindungen, oft ergänzt durch kleine Motoren, entstanden daraus seine „Sonic Sculptures“ – filigrane Klangmaschinen zwischen Kunst, Technik und Poesie. Über mehrere Jahre präsentierte er diese Werke bei den „TAFTAHÜ Kulturtagen“ in Oberscheid im Westerwald, wo sie als „Klangfragmente, Soundstrukturen, maschinell und menschlich zugleich, sensible Klangkunstwerke mit maschinellem Mensch-Interface“ beschrieben wurden.
Hagemann selbst sah seine Kunst als ein „Spiel zwischen Abstraktion und Realismus“. Seine Fantasie und seine Theorien folgten oft radikal einer eigenen Logik – manchmal visionär, manchmal rätselhaft, immer aber von Tiefgang geprägt.
Auch in seinen Bildern, Zeichnungen und karikaturistischen Arbeiten setzte er Zeichen. Inspiriert von Saul Steinberg und dessen Arbeiten für den „New Yorker“, entwickelte er Poster wie „The Bonner“, „The German“ oder „The Babylonian“ – Werke, die sich nur im Kontext des damaligen Zeitgeists, der politischen Geschichte und seiner eigenen Weltvorstellungen vollständig erschließen.
Bernd Hagemann war ein eigenwilliger Feingeist, dessen Denken nicht immer leicht zu fassen war, der jedoch stets aufmerksam, feinfühlig und respektvoll blieb – als Künstler wie auch als Freund.
In seiner letzten Lebensphase überraschte er mit einer späten Karriere als Model für Balenciaga. In dieser Zeit sprachen wir mehrfach über eine mögliche Ausstellung im Wehrmannhaus. Nun wird diese Idee posthum Wirklichkeit:
Wir zeigen eine kleine Retrospektive mit Werken aus Familien- und Privatbesitz, die unterschiedliche Schaffensphasen Hagemanns vereint. Viele der Arbeiten sind erstmals gemeinsam zu sehen.











